{{ :darstellung:hbc.svg?150&nolink|Symbol: Heydenwall Bootscrew (HBC)}} ===== Der Anker als Symbol der HBC ===== Der Anker als Symbol der HBC ist einem Miniaturanker aus dem Fundmaterial von Haithabu nachempfunden. Von diesen wurden in Haithabu insgesamt 10 und in Schleswig einer gefunden. Rechts ist der Haithabu Anker Nr. 10 zu sehen. ==== Originalgroße Anker ==== Diese elf Anker sind Miniaturversionen von Eisenankern, wie sie in Skandinavien der Wikingerzeit in Gebrauch waren und in Originalgröße auch in Haithabu, Schleswig und Ribe sowie aus den Schifgräbern von Ladby und Oseberg nachgewiesen sind. In allen Fällen handelt es sich um sogenannte Stockanker, welche in der Regel aus dem Schaft, einer langen Eisenstange, den Flunken, zwei unten von dieser Stange abzweigenden Armen, sowie einem am oberen Ende des Schaftes rechtwinkelig angebrachten hölzernen Stock bestehen. Am oberen Ende trägt der Schaft zudem einen Ring zur Befestigung des Ankertaus. ==== Die Miniaturanker ==== Die elf Miniaturanker aus Haithabu und Schleswig sind alle aus Blei oder einer Bleilegierung hergestellt. Dabei liegt aus Haithabu auch eine große Anzahl weitere Bleigegenstände vor, von welchen der Großteil Schmuckgegenstände sind. Dies ist für die Wikingerzeit besonders, da Schmuckgegenstände aus Blei im wikingerzeitlichen Skandinavien ansonsten relativ selten sind. Die zahlreichen Halbfertig und Fertigprodukt aus Blei, sowie die dazu passenden Gussformen aus Haithabu deuten auf eine Serienfertigung von heute sogenanntem „Modeschmuck“ am Ort hin. Wahrscheinlich wurden daher auch die Miniaturanker in Haithabu selbst hergestellt, worauf auch die beiden Halbfabrikate sowie eine Gussform hinweisen. Sie scheinen dabei in offenen Formen gegossen und danach ausgeschmiedet worden zu sein. Gemeinsam haben die Miniaturanker ihr Rohmaterial Blei. In Größe, Aussehen und Grad der Verarbeitung variieren die Anker hingegen stark. Die größten Anker übertreffen 10 cm, das kleinste Exemplar misst ca. 3,5 cm. Einige Anker sehen eher grob und roh aus, andere hingegen sind fein verarbeitet und glatt poliert. Die Mehrzahl der Anker ist zudem mit einer Hängeöse versehen, und eines der gut erhaltenen Exemplare besitzt in der Hängeöse noch einen kleinen Hängedraht aus Bronze. Daher wurden die Anker vermutlich an einer Kette getragen. Die Datierung der Miniaturanker ist relativ schwierig. In Haithabu tritt Bleischmuck vorzugsweise ab der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts auf. Das Fundstück aus Schleswig weist hingegen frühestens in das mittlere 11. Jahrhundert. Somit muss von einer Verbreitung ca. von 850 bis 1100 ausgegangen werden. ==== Historische Deutung der Miniaturanker ==== Die Miniaturanker aus Haithabu und Schleswig können, wie die meisten anderen Miniaturgegenstände aus der Wikingerzeit, auf unterschiedliche Weise gedeutet werden. Eine eindeutige Festlegung ihrer Funktion und Verwendung ist nicht möglich. Dieses generelle Problem bei der Deutung von Miniaturen und Amuletten erschwert sich bei den Miniatur-Ankern durch drei Gründe. Zum einen, da der Anker ein sehr großes Bedeutungsfeld an profaner wie auch an magisch-religiöser Symbolik enthält. Zum Zweiten, da diese Miniaturen bisher nur gehäuft am Fundort Haithabu vorkommen. Und zum Dritten, da diese aufgrund ihres nur lokalen Vorkommens in Haithabu sowie ihres häufig niedrigen Verarbeitungsniveaus, mit den übrigen Amuletten der Wikingerzeit nicht ohne Weiteres zu vergleichen sind. Die Wissenschaft hat dennoch gewisse Deutungsansätze festgestellt. === Magisch-religiöse Symbolik === So könnte die Möglichkeit bestehen, dass ihre reiche Symbolik einen magisch-religiösen Bedeutungsinhalt umfasst haben könnte. Die Miniaturanker könnten als Amulette gedient haben, die im heidnischen Kontext an die Symbolik des „Schiffes“, konkret vielleicht an Frejrs Schiff //Skidbladnir//, gekoppelt waren. Möglicherweise stand der Anker bzw. das Schiff als Symbol für Frejr oder der Vanen, so wie der Hammer für Thor und somit die Asen stand. Im frühen Christentum symbolisierte der Anker die Hoffnung auf Auferstehung und Rettung, den wahren Glauben, Standhaftigkeit und Stabilität. Zudem war er Attribut der Heiligen Clemens und Nikolaus von Myra. Die Miniaturanker könnten daher auch christliche Symbolbedeutung besessen haben. Gerade der heilige Clemens wurde ab dem 9. Jahrhundert von der Ostkirche als einer der wichtigsten Heiligen verehrt, und zahlreiche Kirchen belegen seine Verehrung auch im hochmittelalterlichen Dänemark. Für Haithabu könnten die Miniaturanker daher als Kennzeichen von Besuchern aus dem kirchlich byzantinischen beeinflussten Kulturkreis der Alten Rus gedeutet werden. Über diese religiösen Bedeutungen hinaus könnten die Anker als Symbole für Schiffe und Seefahrt auch andere, eher magische Funktion, gehabt haben. So steht der Anker auch für Sicherheit, Geborgenheit, Glück und Erfolg, wäre somit als Schutzamulett gegen jegliche Gefahren anzusehen, denen Händler und Seeleute auf Reisen in nordischen Fahrwassern ausgesetzt waren. Die Wissenschaft weist allerdings auch darauf hin, dass Ankeramulette mit einer potenziell derart reichen magisch-religiösen Bedeutung im wikingerzeitlichen Skandinavien eine größere Verbreitung gehabt haben müssten, als die enge Verbreitung in Haithabu und Schleswig. Ankeramulette sind sonst aus keinem Fundkomplex im frühmittelalterlichen Europa bekannt. === Profane Abzeichen === Die Miniaturanker könnten jedoch auch Träger einer profanen Botschaft gewesen sein. So spricht eine Reihe von Anzeichen gegen die Deutung als religiös-magische Amulette. Amulette waren in der Wikingerzeit vor allem weibliche Ausdrucksform und bestanden zumeist aus dekorativem Schmuck aus Edelmetall, Eisen oder Bernstein. Die Anker sind allerdings eher grob und handwerkstechnisch auf einem geringen Niveau gefertigt und bestehen alle aus Blei. Dieses Material wurde für Amulette nur sehr selten benutzt. Die im Verhältnis große Anzahl an Bleigegenständen in Haithabu deutet andererseits darauf hin, dass Blei im Alltag der niedrigen Bevölkerungsschicht das übliche Schmuckmetall darstellte. So könnten die Anker auf eine gemeinsame, lokal spezifische Funktion hindeuten und auch so gewertet werden, dass sie von einer sehr begrenzten Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen und Motiven getragen wurden. Innerhalb der These, dass die kleinen Anker Abzeichen für Seeleute und Händler_innen darstellten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Anker, anders als bei der Deutung als Amulette, auch von Männern getragen wurden. Die Anker könnten somit ein Erkennungszeichen für Seeleute gewesen sein. Weiter gedacht, könnte die Anker auch die Mitgliedschaft in einem Zusammenschluss von Überseehändler_innen oder Seeleuten anzeigen. So haben sich seefahrende Seehändler_innen von der Wikingerzeit bis in das ausgehende Mittelalter zu Fahrtgenossenschaften zusammengeschlossen, die dem kaufmännischen Selbstschutz dienten. Solche im späten Mittelalter zumeist Gilde genannten Reisegemeinschaften sind in skandinavischer schriftlicher Überlieferung erst aus dem 12./13. Jahrhundert überliefert, aus dem karolingischen und angelsächsischen Bereichen jedoch schon aus dem 7./8. Jahrhundert bekannt. So berichtet beispielsweise Rimbert im 9. Jahrhundert (Kap. 10, 33), dass sich die deutschen Missionare auf ihren Reisen nach Birka im Hafen von Haithabu Kauffahrerkonvois angeschlossen haben. Dass es sich hierbei um eine Art Kaufmannsgilde gehandelt haben könnte, bleibt allerdings unsicher, gerade, da es erste Nachweise einer Gilde erst von einem schwedischen Runenstein aus dem 11. Jahrhundert stammen. Dieser spricht dann von einer Friesen-Gilde, was die Möglichkeit eröffnet, dass es sich bei den Ankern um das Erkennungszeichen einer ethnischen Händlergruppe handeln könnte. Von Seeleuten und Händler_innen aus Gebieten, in denen das Genossenschaftswesen schon weiter entwickelt gewesen war als in Skandinavien. Hier kämen am ehesten die aus historischen Quellen in Haithabu, Birka sowie im frühen Schlweswig nachweisbaren Friesen in Betracht. Als Letztes könnten die Anker allerdings auch die profane Funktion einer Zollmarke innegehabt haben. So ist es nicht auszuschließen, dass die Erlaubnis zur Hafennutzung und am Handel in Haithabu mit einer Abgabe erkauft werden musste. Die kleinen Anker könnten in diesem Zusammenhang als Zahlungsnachweise gedient haben. === Zusammenfassung === Die Benutzer_innen der Anker müssen den unterschiedlichen ethnischen und sozialen Gruppen zu finden sein, die in Haithabu, wie in allen anderen Handelszentren der Zeit, lebten. Zu Haithabus Bevölkerung zählten Dänen und andere Skandinavier_innen, Sachsen, Friesen und Slawen. Als Schutzamulette gegen Gefahren der Seefahrt können die Anker von sämtlichen Bevölkerungsgruppen getragen worden sein, egal ob Christen oder Heiden. Waren die Anker an Frejs Schiff //skidbladnir// oder der Verehrung der Vanen gekoppelt, dürften die Benutzer_innen Skandinavier_innen gewesen sein. Als christliches Symbol wären die Benutzer_innen ethnisch kaum zuzuordnen und könnten im Prinzip alle christlichen Menschen, Einheimische wie Gäste, gewesen sein. Die begrenzte Verbreitung und ihr einheitliches Material dürften auf eine ethnisch und sozial homogene Trägergruppe hindeuten, wobei die symbolische Verbindung mit Seefahrt die Anker als Abzeichen einer Gruppe von Seeleuten prädestiniert. ==== Das Symbol für die HBC ==== {{:darstellung:haithabu_anker_8.svg?150&nolink |Symbol: Haithabu Anker Nr. 8}} Links ist der Anker der HBC zu sehen der Haithabu Anker Nr. 8. In Bezug auf die historische Deutung trägt die HBC den Anker als Symbol ihrer Verbundenheit mit der Seefahrt, dem Meer und Schiffen und als Abzeichen dieser gemeinsamen Interessengemeinschaft. Ferner kann der Anker für die Mitglieder individuell gedeutet werden. Hiermit tragen wir der schwierigen Deutungsmöglichkeit und unseren individuellen Darstellungsschwerpunkten Rechnung. Der Anker als lokales Phänomen aus Haithabu ist zudem Zeichen unseres Heimathafens Haithabu, aber auch weiterführend durch die Strahlkraft Haithabus auf die frühmittelalterliche Welt Zeichen unserer Weltgewandtheit und Sehnsucht nach fremden Ufern.